Prolog
-Erzähler-

Leise knirschte der Schnee unter den schweren Sohlen des Mannes. Was genau hatte in dem Umschlag aus dem anonymen Paket gestanden? Er solle diesen Ort aufsuchen und alle Häuser auf der Karte finden.
Vorsichtig holte er das beigelegte Navi heraus, denn die Häuser hier hatten keine Hausnummern.
Wenige Minuten später erreichte er tatsächlich eine kleine Hütte. Zumindest das Navi schien zu funktionieren.
Leise kichernd holte er den Tarnumhang aus der Tasche. Der hatte auch im Paket gelegen. Er schüttelte leicht den Kopf. Ein Tarnumhang … Wenn der wirklich funktionierte – na ja.
Aber was tat man nicht alles für Geld – denn der Absender versprach ihm einen Haufen davon, wenn er in jede dieser Behausungen ging und dort ein gelbes Pulver aus dem Paket verstreute. Und genau das machte er.
Ein Haus. Eine Hütte. Eine Höhle. Ein Baumhaus. Sie alle besuchte der Mann und streute das Pulver umher.
Der Tarnumhang funktionierte dabei wirklich – denn bemerkt wurde er von niemandem. (Das konnte aber auch daran liegen, dass es tiefste Nacht war und alle schliefen …)
Nach nicht allzu langer Zeit war der Mann fertig und hakte das letzte Haus auf seiner Karte ab. Er grinste in sich hinein – das war fast eine zu leichte Aufgabe für so viel Geld. Hoffentlich bekam er es bald zugeschickt. Denn er wollte dringend einen neuen Fernseher kaufen.
Mit diesem Gedanken machte er sich auf den Rückweg.

Indes wachte die Bewohnerin im ersten Haus auf. Auf nackten Sohlen ging sie in ihre Küche, um einen Schluck Wasser zu trinken.
Doch schon nach den ersten Schritten hinter der Schwelle merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Der Boden fühlte sich sandig unter ihren Füßen an.
Sie ging in die Hocke und untersuchte die Holzbretter, nur um das gelbe Pulver zu bemerken.
Leise fluchte sie auf. Sie ahnte, was gleich passieren würde.
Mit einem Zischen begann die Verwandlung. Sie wuchs in die Höhe. Federn sprossen aus ihrer Haut, schwarze Federn. Ihre Finger und Zehen wurden zu Krallen. Haut spannte sich unter den Armen. Der Mund wich grässlichen Fängen, um die gelber Schaum brodelte. Ihr ganzer Körper war jetzt mit Federn bedeckt. Zum Schluss leuchteten noch die Augen auf. Rot.
Mit einem Rauschen breitete sie ihre Flügel aus und flog hinaus, hinein in die dunkle Nacht.