Kapitel 1
-Lina-

Gähnend kletterte ich aus meinem Bett und schlurfte ins Bad. Wovon hatte ich noch einmal geträumt? Genau, jetzt fiel es mir wieder ein: Es ging um einen riesigen Baum, der in einem See stand. So etwas Verrücktes. Unwillkürlich musste ich an unser Abenteuer im Winterland denken. Ja, Winterland.
Ich schnappte mir meine Zahnbürste, drückte etwas Zahnpasta drauf und schrubberte sie über meine Zähne.
Unser Abenteuer im Winterland begann kurz vor Weihnachten. Ich und meine Schwester Louisa bekamen einen Brief von den Elfen. Anscheinend waren wir die einzigen, die Weihnachten retten konnten – denn der Weihnachtsmann war in einen tiefen Schlaf gefallen.
Also mussten wir ein Amulett finden, welches aber von einem Bösewicht gestohlen wurde.
Auf der Suche schlossen wir neue Freundschaften – und entdeckten, dass wir selbst Magie wirken konnten. Zuerst konnte ich es nicht glauben, aber mittlerweile finde ich, ein bisschen Zauberei hie und da war gar nicht so schlecht.
So wie jetzt. Mit meiner Gedankenwunschmagie musste ich nur einen Wunsch denken, damit er in Erfüllung ging. Nachdem ich mich versichert hatte, dass niemand ins Bad wollte, fing ich an: ›Ich wünschte, die Zahnbürste würde mir die Zähne blitzblank putzen.‹
Gedacht, gewünscht.
Und schon sauste die Zahnbürste von selbst los und schrubbte meine Beißerchen. Derweil konnte ich mir in aller Ruhe die Haare kämmen. Das nenne ich echtes Multitasking.
Aber zurück zu Winterland: Alle gemeinsam schafften wir es schlussendlich, das Amulett zu finden und dem Weihnachtsmann zu bringen. Den Dunklen Magier, wie wir den Bösewicht nannten, verbannten wir aus Winterland. Damit war Weihnachten gerettet.
Eigentlich eine ziemlich verrückte Geschichte – hier, in der ›echten‹ Welt, glaubt sie uns sicher keiner.
Ich spuckte ins Waschbecken und wartete, bis der milchig-weiße Strudel im Abfluss verschwunden war. Die Zahnbürste war schon zurück zum Waschbeckenrand geflogen und rührte sich nicht mehr.
Ich wischte mir noch mit einem Handtuch über den Mund, dann ging ich nach unten in die Küche. »Bad ist frei!«, rief ich noch Richtung Louisas Zimmer.
Unten angekommen erwartete mich eine Überraschung. Auf dem Küchentisch lag ein grüner Umschlag. ›Einladung‹, stand in silbernen Lettern darauf.
Ich grinste. Das waren eindeutig das gleiche Papier und die gleiche Schrift wie bei unserem ersten Winterland-Brief.