Kapitel 10
-Louisa-

»Juchuuu!«, jauchzte ich. Die wilde Rutschpartie durch die absolute Dunkelheit wurde immer schneller. Es ging nach links, dann nach rechts, dann sogar über einen Buckel.
Ich fragte mich, ob diese Rutsche bald enden würde, und, vor allem, wo. Nebenbei stellte sich mir die Frage, worauf ich eigentlich entlangschlitterte – ich befand mich ja logischerweise unter der Erde.
Aber ich musste meine Gedanken verwerfen, weil es plötzlich taghell wurde. Ich schoss aus der Tunnelröhre. Dann flog ich. Aber nur ein paar Meter. Nach wenigen Sekunden schlug ich auf – zum Glück nur in weichem Schnee. Endlich tauchten auch Lina und Luna auf und landeten neben mir im Schnee. »Uuund? Wie fandet ihr die Rutsche?«
Die beiden rappelten sich auf. Luna wischte sich die Brille frei und Lina klopfte sich die Jacke ab.
»Mir ist ein bisschen schwindelig …«, murmelte Luna.

Just in diesem Moment erfasste uns eine heftige Windbö. Ich konnte nicht anders, als dem Wind nachzugeben, er war einfach zu stark.
Nachdem er mich einige Meter nach vorne geschoben hatte, verschwand der Wind so plötzlich, wie er gekommen war.
Ich drehte mich um und wollte wieder zurückgehen, als Luna laut »Stopp!« rief. Wie angewurzelt blieb ich stehen.
»Seht ihr? Der Wind hat uns in die Form eines Pfeils geblasen«, erklärte sie. »Dann müssen wir in deine Richtung, Louisa.«
Dort befand sich ein verschneiter Hang. Die ersten Meter waren noch relativ einfach. Es war so, wie normal durch den Schnee zu stapfen. Allerdings wurde es schon kurz darauf schwieriger. Der Hang stieg erheblich an und ich musste mich mit den Händen in den Schnee krallen. Und das geht bekanntlich nur für kurze Zeit, bevor einem die Finger so kalt werden, dass man loslassen muss.
Ich blieb schwankend stehen und hauchte meine Handflächen an, um sie aufzuwärmen. Luna kraxelte neben mich, kramte in einem ihrer Beutel und reichte mir wortlos ein grünes, pflanzliches Gewebe mit mehreren Löchern. Waren das Handschuhe?
Vorsichtig streifte ich sie mir über. Sogleich breitete sich wohlige Wärme von meinen Fingerspitzen aus.
»Danke!«, rief ich Luna zu, die schon weiter oben war. Die Kante war schon in Sicht.
Auf einmal rutschte Luna aus, kugelte den Hang hinunter und riss mich mit. Wir wälzten Lina nieder und lagen zum Schluss alle drei wieder am Fuß des Hügels.
»Mist!«, rief Lina. »Jetzt können wir uns nochmal da hochkämpfen.«
Doch auch beim zweiten Versuch erging es uns nicht besser und wir purzelten zurück zum Anfang.
Frustriert stieß ich die Luft aus. Dabei lösten sich einige Magieblitze aus meinen Händen und schlugen in den Boden ein.
»Pass auf!«, rief Lina. »Du musst vorsichtiger sein, wenn du wütend bist.«
Grinsend deutete ich auf die sechs Eispickel am Boden. »Oder auch nicht!«

Mit den Pickeln war es ein Leichtes, den Hang zu erklimmen. Ein Schlag links, ein Schlag rechts. Füße nachziehen. Und von vorne. Ich fühlte mich wie eine echte Bergsteigerin.
Es dauerte nicht lange und wir waren oben. Mit aller Kraft hievte ich mich über die Kante. Oben auf dem Hügel war ein richtiges Plateau. Auch Lina und Luna erreichten es und stellten sich zu mir.
»Geschafft!« Lina stieß die Luft aus.
Als nächstes wollten wir beraten, wohin wir gehen sollten. Aber dazu kamen wir gar nicht.
Die Erde begann zu beben, der Schnee vibrierte. Auf einmal hob sich die Schneedecke in einiger Entfernung an und der Schnee rieselte von einem großen Ding herab.
Das Etwas hob sich komplett aus dem Schnee.