Mist! So ein verflixter Mist!
Ich hatte alles vermasselt! Schon wieder!
Und dann auch noch so etwas Einfaches wie diesen Suchzauber. Nur vier Kräuter! Und ich hatte genau eines vertauscht. Missmutig blickte ich mich um. Die braune Kugel, die nach meinem falschen Zauber entstanden war, stellte sich als Matschkugel heraus. Kaum zerplatzt, war die ganze Lichtung mit der zähflüssigen, braunen Masse überzogen. Scheinbar konnte das Zeug nicht über den Rand der Lichtung hinauslaufen. Deshalb standen ich und die Geschwister in einem hüfttiefen Schlammsee.
Nervös schob ich mir die Brille hoch. Jetzt mochten mich Lina und Louisa sicher nicht mehr, wenn ich sie so leichtsinnig einer unbekannten Gefahr aussetzte – immerhin hätte der Zauberspruch auch ganz anders schiefgehen können. Ich ärgerte mich. Warum war ich nur so schlecht?
Louisa fing zuerst an, indem sich ihre Mundwinkel leicht anhoben und sie leise zu kichern begann, während sie sich den Schlamm aus dem Gesicht wischte. Lina schaute sie an und musste augenblicklich losprusten. Dabei spritzte Schlamm von ihren Lippen in alle Richtungen. Das wiederum löste einen Lachanfall bei Louisa aus.
Als ich merkte, dass niemand sauer auf mich war, konnte ich mich auch nicht mehr halten und stimmte in das Gelächter mit ein.
Nachdem wir uns eine ganze Weile schlappgelacht hatten, griff Louisa mit beiden Händen in die Pampe. Sie hob den Matschklumpen hoch und schleuderte ihn auf Lina. Eine exzellente Schlammschlacht begann!
Wir bewarfen uns gegenseitig mit Matschbällen, bis wir uns vor lauter Erschöpfung in den Matsch fallen ließen. Lachend paddelten wir in der zähflüssigen Masse.
»Das war toll!«, rief Louisa.
»Aber wir müssen langsam weiter«, merkte Lina an.
Deshalb machte sie einen kurzen Gedankenwunsch, und der Schlamm konnte in den Wald abfließen.
»Das ist sicher ein super Dünger«, sagte ich. Meine Mama konnte stolz auf mich sein – aber die war ja immer noch von diesem Gelbkraut befallen. Wir mussten schleunigst weiter!
Louisa hatte in der Zwischenzeit einen schmalen Bach in der Nähe der Lichtung gefunden. Er mündete in einen kleinen Teich, der angenehm warm war. Wir sprangen hinein und wuschen uns den ganzen Schlamm ab.
»Luna, hast du eigentlich mal daran gedacht, all deine missglückten Zauber aufzuschreiben?«, fragte mich Lina. »Man weiß ja nie, wann man eine kleine Explosion oder eine Matschflut braucht, oder?«
Über so etwas hatte ich tatsächlich noch nie nachgedacht, aber beizeiten würde ich die Zauber niederschreiben.
Nachdem uns ein von Lina gezauberter warmer Wind trocknete, wiederholte ich den Suchzauber – diesmal mit den richtigen Kräutern. Leise murmelte ich die magischen Worte und den Namen des Hexenmeisters. Anscheinend hatte ich alles richtig gemacht, denn direkt vor uns spross rasend schnell frisches Gras. Es bildete einen Pfeil, der uns die Richtung wies.
»Hier entlang!«, rief ich und deutete auf den schmalen Weg, der von der Lichtung wegführte.
Schon nach kurzer Zeit verließen wir die warme Zone. Hier lag überall eine leichte Schneedecke. Wir folgten den Pfeilen, die hier und dort auftauchten: ein umgestürzter Baum, eine Malerei auf einem Felsen, eine Gruppe Ameisen, herabgefallene Fichtenzapfen, eine Stelle, an der der Schnee pfeilförmig fehlte, und noch viele mehr.
Langsam kamen wir ins Gebirge. Die Büsche verschwanden vollständig, hier gab es nur noch ab und zu eine kleine Baumgruppe.
Als wir gerade an einer solchen vorbeigingen, ertönte ein dumpfes Knurren. Ich lugte hinter die dünnen Stämme und erblickte …
… eine schwarze Nase vor weißer Eisbärenschnauze.