»Wirklich?«, fragte ich Larissa zurück in die Muschel. »Du weißt, was das Zeug ist?«
»Ja. Es war zwar nicht so einfach, mit meinem gebrochenen Bein durch die Bibliothek zu geistern,
aber es ging einigermaßen. Ich habe einige historische Berichte, Erzählungen und Märchen
durchgelesen und bin schließlich auf etwas gestoßen.
In einem Buch fand ich eine Geschichte über wildgewordene Hexen. Darin wurde von sogenanntem
›Gelbkraut‹ berichtet. Richtig verarbeitet, macht es Hexen gefügig. Diese bleiben dann in ihrer
dunklen Gestalt und können auf Kommando Leute verfolgen oder Dörfer angreifen. Es zeigt sich oft
durch gelben Schaum um den Mund der jeweiligen Hexe.
Über ein Gegenmittel fand ich in dem Buch nichts, aber auf der Suche nach Gelbkraut wurde ich
bald fündig. Also: Angeblich, aber sehr wahrscheinlich, sollen die Zutaten für ein Gegenmittel
im ›Buch der Hexenmeister‹ festgehalten sein. Dieser Gegentrank kann dummerweise nur von einer
Hexe gebraut werden – nur dass im Moment alle vom Gelbkraut betroffen sind.«
»Danke für deine ausführliche Recherche!«, sprach ich in die Muschel. »Aber vielleicht haben wir
doch eine gesunde Hexe hier. Du hilfst uns doch, Luna?«
»Na klar! Ich will doch meine Mama heilen!«
»Luna? Wer ist Luna?«, fragte Larissa.
»Sie ist eine Junghexe, und nicht befallen!«, erklärte ich.
»Lina, gib ihr doch die Ersatzmuschel, damit ich sie hören kann! Gut, dass ich euch die
mitgegeben habe.«
Mit der Muschel in der Hand ergriff Luna das Wort: »Ich kenne das ›Buch der Hexenmeister‹! Es
wird von Hexenmeister zu Hexenmeister weitergereicht.«
»Genau!«, rief Larissa aus den Muscheln. »Nur wird es meistens unter Verschluss gehalten, da es
darin auch einige böse und mächtige Zauber gibt, die nicht in falsche Hände geraten dürfen. Die
Hexenmeister selbst sind aber so gut versteckt, dass nur eine Hexe sie finden kann. Luna, meinst
du, du kannst den Hexenmeister finden?«
»Ich kann es gerne versuchen! Ich habe ihn einmal persönlich getroffen, als meine Mama ihn mit
mir besucht hat. An den Weg erinnere ich mich zwar nicht, aber ich weiß einen Suchzauber, einen
der wenigen, die ich einigermaßen beherrsche. Damit finden wir garantiert hin!«
»Super! Ich werde mich weiter durch die Bücher wühlen, vielleicht finde ich noch mehr Infos zu
diesem Gelbkraut. Viel Erfolg bei der Suche, haltet mich auf dem Laufenden!«
Damit verabschiedete sie sich und die Muscheln verstummten.
»Für diesen Zauber brauche ich nur ein paar Kräuter, die ich zum Glück alle dabeihabe«, erklärte
Luna und griff an ihren Gürtel.
Wie ich bemerkte, hatte sie dort ein paar Beutel befestigt, aus denen sie jetzt Kräuter holte.
Sie mischte zielsicher mehrere Sorten und warf sie in die Luft. Es gab einen lauten Knall, dann
gurgelte die Luft. Moment … gurgelte?
Mit Entsetzen starrte ich auf die riesige braune Blase, die über uns in der Luft schwebte.
Sie fiel herab und zerplatzte.