Die Hexen waren scheußlich! Sie hatten glühende Augen und scharfe Krallen. Rundherum waren sie
kohlrabenschwarz. Waren das Federn, oder schwarzer Nebel, oder Umhänge? Das konnte ich beim
besten Willen nicht erkennen.
Dort, wo ich den Mund vermutete, befand sich ein gelber Schaum, der aussah, als kochte er.
Einige Sekunden lang starrten uns die Hexen an, dann erhoben sie sich gemeinsam, wie auf einen
Ruf, und verschwanden schnell in der Ferne.
»Was wollten die denn?«, keuchte ich. Erst jetzt merkte ich, dass ich die ganze Zeit die Luft
angehalten hatte.
»Ich habe keine Ahnung …«, antwortete meine Schwester, auch keuchend. »Aber es wirkte, als seien
sie nur wegen uns hier. Die Hexen haben uns direkt angeschaut und keinen weiteren Schaden
angerichtet.«
»Aber warum haben sie nichts getan, nur geschaut? Seltsam …«
Als wir weiter durch die Straßen gingen, rannte uns ein hektischer Mann entgegen, der sich uns
als Bürgermeister vorstellte. »Oh danke vielmals dass ihr so schnell kommen konntet ihr habt uns
wirklich sehr geholfen aber jetzt denke ich schaffen wir es ohne Hilfe ihr könnt also ohne
Weiteres wieder zurück zum Palast vorausgesetzt das wolltet ihr aber nochmal vielen Dank für
eure Hilfe wenn ihr wollt erkläre ich euch noch den Weg zu einem kleinen Ruheplatz hier vor
unserem Dorf den solltet ihr euch unbedingt noch ansehen bevor ihr wieder geht denn das ist
sozusagen unser Wahrzeichen.« Er holte tief Luft.
»Kein Problem! Wir haben doch gerne geholfen!«, sagte Lina. »Wie kommen wir zu diesem
Ruheplatz?«
Der Bürgermeister erklärte uns den Weg und bedankte sich erneut. Danach war er auch schon hastig
weitergeeilt.
»Der redet wirklich ohne Punkt und Komma.« Ich grinste. »Lina, stell dir mal vor, du würdest so
reden … Zusätzlich zu deinen ganzen schlauen Wörtern. Dann kommt keiner mehr mit.«
»Wie bitte? Sag das nochmal!«
»Stell dir mal v---«
»Wehe!«, beschwerte sich Lina und knuffte mich in die Seite.
Kichernd folgte ich meiner Schwester auf den Feldweg, der aus dem Dorf in den Wald führte.
Auf der großen Lichtung im Wald standen einige große Heuhaufen und Ballen. Strohklötze waren zu
Bänken und Tischen aufgestapelt. Eine leichte Brise wehte und Vogelgezwitscher erfüllte die
Luft.
»Ah … Hier können wir uns etwas ausruhen!«, seufzte Lina und ließ sich auf einem der Ballen
nieder.
Auf einmal rauschte es, fast wie ein Meeresrauschen. »Was war das?«, fragte ich erstaunt. Das
Rauschen wurde zu einem Knacken. Dann war es still.
»Hallo! Louisa, Lina? Könnt ihr mich hören?«, tönte gleichzeitig eine Stimme aus unseren
Taschen.
»Larissas Muscheln!«, erkannte Lina. »Die haben wir komplett vergessen!«
Natürlich wollte Larissa ganz genau wissen, was passiert war, wenn sie wegen ihres Beins schon
nicht dabei sein konnte. Wir erzählten abwechselnd von den Aufräumarbeiten und
selbstverständlich auch von der Begegnung mit den Hexen.
»Gelber Schaum?«, hakte Larissa nach.
»Ja, und er hat gebrodelt, so als würde er kochen, quietschgelb«, bestätigte ich.
Larissa war einen Moment still. »Hm … Ich glaube, da habe ich schon mal was darüber gelesen.«
»Dumm nur, dass ich mein Magielexikon zu Hause vergessen habe!«, ärgerte sich Lina. »Das wäre
jetzt hilfreich.«
»Macht nichts«, antwortete Larissa. »Ich bin zwar nicht so gut zu Fuß, aber hier in der
Bibliothek kann ich mich mit dem Drehstuhl durch die Regale rollen. Ich werde hier für euch ein
wenig recherchieren, okay?«
»Danke, mach das!«, rief Lina.
Die Muscheln gaben ein kurzes Rauschen von sich und waren wieder ganz still.
Dafür ertönte ein seltsames Geräusch vom größten Heuhaufen aus.
Es knackte.
»Mist!«, fluchte eine Stimme.
Dann gab es einen Knall und der Heuhaufen stand lichterloh in Flammen.