Verflixt und zugenäht! Hastig wedelte ich den Rauch vor meinem Gesicht weg.
Ich brauchte mehr Zeit. Da die Hexen spätestens seit dem Knall wussten, dass ich hier war, gab
es nichts mehr zu verlieren. »Erschafft eine Metallwand!«, brüllte ich meinen Freunden zu. »Die
können sie mir ihrer Naturmagie nicht verändern!«
Dann widmete ich mich wieder dem Trank. Da war definitiv etwas schiefgelaufen. Fieberhaft
überlegte ich, was sein könnte. Da fiel es mir ein: Ich hatte ein Erdbeerblatt vergessen. Das
gehört praktisch zu jedem Gegenmittel dazu. Wie konnte ich nur so blöd sein und das
vergessen?
Aber mich über mich selbst ärgern half ja nicht. Ich musste den Trank nochmals herstellen. Zum
Glück hatte ich von den Blättern des allwissenden Baumes und von den Keksen des Glücks noch
welche übrig.
Ich kippte den Inhalt des Kessels einfach auf den Boden, in der Hoffnung, dass er nicht
gefährlich war. Dann füllte ich frisches Wasser aus einem kleinen Fläschchen nach. Zum Glück
hatte ich das dabei, denn Schnee konnte ich keinen mehr holen. Vor dem Höhleneingang erhob sich
eine massive Metallwand, vom Boden bis zur Decke. Die Hexen hämmerten von draußen wild dagegen,
aber noch hielt sie stand.
Ich holte das Buch der Hexenmeister erneut aus meiner Tasche und vergrößerte es. Ich las nochmal
sorgfältig die Anleitung und fing dann an.
Zuerst gab ich das Blatt hinein, danach den Mondlichtzucker. Ich rührte drei Mal im
Uhrzeigersinn um und flüsterte die erste magische Formel. Danach nahm ich die getrocknete
Blaubaumrinde und schüttete das Pulver ins Wasser. Sofort färbte es sich blau, wie es sollte.
Ich zerbröselte außerdem das Keks über dem Topf. Dann, ganz wichtig, das Erdbeerblatt. Jetzt
nochmal umrühren, gegen den Uhrzeigersinn. Ich murmelte währenddessen den zweiten magischen
Spruch. Zum Schluss fehlte nur noch der Wolkenzimt, den ich großzügig über den ganzen Topf
verteilte. Somit war der Trank endlich fertig. Aber er musste noch kurz köcheln und dann
abkühlen.
Besorgt blickte ich zur Eisenwand. Sie hatte schon einen breiten Riss in der Mitte und würde den
Hexen bald Raum zum Durchschlüpfen geben. Ich blickte wieder zurück zum Kessel. Der Trank
blubberte kaum mehr. Gleich konnte ich ihn abfüllen.
Just in diesem Moment barst die Wand endgültig und die Hexen strömten herein. Louisa und Lina
rannten zu mir. In aller Eile füllten wir den Trank in ein Fläschchen.
»Ihr müsst ihn irgendwie über alle Hexen verteilen! Schnell!« Ich drückte Lina das Fläschchen in
die Hand.
Die ließ den Trank hoch in die Luft schweben und Louisa jagte einen Magieblitz hinein, sodass
der Trank an der Höhlendecke explodierte. Alles und jeder wurde mit feinsten Tröpfchen des
Trankes vollgesprüht.
Schon begann die erste Hexe, sich zurückzuverwandeln.
»Es hat funktioniert!«, jubelte ich.
»Wir müssen sofort Larissa befreien!«, rief Louisa.
Auf sie hatten wir alle vergessen. Kein Wunder, bei dem Trubel.
Lina öffnete die Käfigtür, hinter der Larissa lag. Doch sie rührte sich nicht. Nicht einmal nach
mehrmaligem Schütteln wachte sie auf.
»Ätsch!«, schallte die Stimme des Wächters durch die Höhle. Er musste sich von den Fesseln
befreit haben. »Die wird noch einige Zeit weiterschlafen!« Höhnisch lachend lief er aus der
Höhle und verschwand.