Kapitel 24 - Teil 2
-Luna-

Verflixt und zugenäht! Hastig wedelte ich den Rauch vor meinem Gesicht weg.
Ich brauchte mehr Zeit. Da die Hexen spätestens seit dem Knall wussten, dass ich hier war, gab es nichts mehr zu verlieren. »Erschafft eine Metallwand!«, brüllte ich meinen Freunden zu. »Die können sie mir ihrer Naturmagie nicht verändern!«
Dann widmete ich mich wieder dem Trank. Da war definitiv etwas schiefgelaufen. Fieberhaft überlegte ich, was sein könnte. Da fiel es mir ein: Ich hatte ein Erdbeerblatt vergessen. Das gehört praktisch zu jedem Gegenmittel dazu. Wie konnte ich nur so blöd sein und das vergessen?
Aber mich über mich selbst ärgern half ja nicht. Ich musste den Trank nochmals herstellen. Zum Glück hatte ich von den Blättern des allwissenden Baumes und von den Keksen des Glücks noch welche übrig.
Ich kippte den Inhalt des Kessels einfach auf den Boden, in der Hoffnung, dass er nicht gefährlich war. Dann füllte ich frisches Wasser aus einem kleinen Fläschchen nach. Zum Glück hatte ich das dabei, denn Schnee konnte ich keinen mehr holen. Vor dem Höhleneingang erhob sich eine massive Metallwand, vom Boden bis zur Decke. Die Hexen hämmerten von draußen wild dagegen, aber noch hielt sie stand.

Ich holte das Buch der Hexenmeister erneut aus meiner Tasche und vergrößerte es. Ich las nochmal sorgfältig die Anleitung und fing dann an.
Zuerst gab ich das Blatt hinein, danach den Mondlichtzucker. Ich rührte drei Mal im Uhrzeigersinn um und flüsterte die erste magische Formel. Danach nahm ich die getrocknete Blaubaumrinde und schüttete das Pulver ins Wasser. Sofort färbte es sich blau, wie es sollte. Ich zerbröselte außerdem das Keks über dem Topf. Dann, ganz wichtig, das Erdbeerblatt. Jetzt nochmal umrühren, gegen den Uhrzeigersinn. Ich murmelte währenddessen den zweiten magischen Spruch. Zum Schluss fehlte nur noch der Wolkenzimt, den ich großzügig über den ganzen Topf verteilte. Somit war der Trank endlich fertig. Aber er musste noch kurz köcheln und dann abkühlen.
Besorgt blickte ich zur Eisenwand. Sie hatte schon einen breiten Riss in der Mitte und würde den Hexen bald Raum zum Durchschlüpfen geben. Ich blickte wieder zurück zum Kessel. Der Trank blubberte kaum mehr. Gleich konnte ich ihn abfüllen.
Just in diesem Moment barst die Wand endgültig und die Hexen strömten herein. Louisa und Lina rannten zu mir. In aller Eile füllten wir den Trank in ein Fläschchen.
»Ihr müsst ihn irgendwie über alle Hexen verteilen! Schnell!« Ich drückte Lina das Fläschchen in die Hand.
Die ließ den Trank hoch in die Luft schweben und Louisa jagte einen Magieblitz hinein, sodass der Trank an der Höhlendecke explodierte. Alles und jeder wurde mit feinsten Tröpfchen des Trankes vollgesprüht.
Schon begann die erste Hexe, sich zurückzuverwandeln.
»Es hat funktioniert!«, jubelte ich.
»Wir müssen sofort Larissa befreien!«, rief Louisa.
Auf sie hatten wir alle vergessen. Kein Wunder, bei dem Trubel.
Lina öffnete die Käfigtür, hinter der Larissa lag. Doch sie rührte sich nicht. Nicht einmal nach mehrmaligem Schütteln wachte sie auf.
»Ätsch!«, schallte die Stimme des Wächters durch die Höhle. Er musste sich von den Fesseln befreit haben. »Die wird noch einige Zeit weiterschlafen!« Höhnisch lachend lief er aus der Höhle und verschwand.