Das tiefe Dröhnen des Gongs breitete sich in der ganzen Höhle aus, wurde von den Wänden
zurückgeworfen und schwoll zu einem lauten Brummen an.
Sofort schrak der Wächter aus seinem Schlaf, aber er hatte keine Chance gegen Louisas magische
Liane. Er konnte nicht von seinem Stuhl aufstehen. Zeternd machte er seinem Ärger Luft.
Luna kramte ihren Kessel heraus und vergrößerte ihn. »Folgendes«, teilte sie uns mit, »Ich
beginne sofort mit dem Gegenmittel. Wir können nur hoffen, dass die Hexen auftauchen. Wenn sie
da sind, müsst ihr sie so lange ablenken, bis der Trank fertig ist. Jetzt bleibt nur die Frage,
ob ich den Trank auch herstellen kann, oder ob es wieder irgendeine magische Katastrophe wird
…«
»Du schaffst das! Du bist schließlich die beste Hexe, die ich kenne!«, rief Louisa.
Luna seufzte. »Ich bin aber auch die einzige Hexe, die ihr kennt. Das hilft mir doch auch nicht
…«
Freundschaftlich nahm ich sie in den Arm. »Das stimmt. Aber wir glauben trotzdem an dich. Du
schaffst das ganz sicher!«
»Jaaa! Gruppenumarmung!« Louisa drückte uns zusammen.
»So, ich mach mich ans Werk!«, rief Luna, nachdem sie sich von uns gelöst hatte.
Sie packte einige trockene Zweige aus und entfachte sie unter ihrem Kessel. Zusammen holten wir
einige Handvoll Schnee und packten sie in den Kessel.
Aber bevor wir Luna weiter beobachten konnten, hörte ich ein lautes Rauschen. Gemeinsam mit
meiner Schwester rannte ich zum Höhleneingang.
Die Hexen waren gekommen. Trotz des Gelbkrautes waren sie dem Klang des Gongs gefolgt – und
allem Anschein nach waren es sämtliche Hexen Winterlands.
Alle in ihrer bedrohlichen Gestalt landeten sie vor der Höhle und kamen langsam herein.
»Wir müssen sie irgendwie ablenken! Hast du eine Idee?«, fragte ich Louisa.
»Ja, mach den Boden eisig, wie in der Bibliothek des Dunklen Magiers!«
»Gute Idee!« Sofort beugte ich mich nach unten und wünschte eine Eisschicht auf den
Höhlenboden.
Der Boden vereiste sofort, aber das schien die Hexen nicht im Geringsten zu stören. Sie flogen
einfach hoch in die Luft. Eine von ihnen drehte sich im Schweben, bis sie einen fliegenden
Handstand machte. Sie berührte das Eis mit dem Zeigefinger – und schon war da kein Eis mehr.
Schlimmer, die Hexe ließ jetzt das übriggebliebene Wasser zusammenfließen und dirigierte es zu
uns. Eine Welle bäumte sich auf und drohte, uns zu überschwemmen.
Schnell ließ Louisa einen Magieblitz auf die Wasserwand los, der sie verdampfen ließ. Sie wurde
immer besser im Zaubern, bemerkte ich. Mittlerweile musste sie oft gar nicht mehr ihre Hände
aneinanderreiben, um die Magie zu aktivieren. Aber das brachte uns auch nicht weiter. Die Hexen
drängten uns immer weiter zurück.
Louisas nächste Idee war, magische Ranken wachsen zu lassen. Die sollten die Hexen fesseln. Doch
auch das funktionierte nicht, denn kaum, dass Louisa die Ranken hergezaubert hatte, waren sie
schon in der Kontrolle der Hexen. Und die befahlen ihnen, uns einzuwickeln. Gerade noch
rechtzeitig konnte ich sie wegwünschen.
So konnte das nicht weitergehen. Hoffentlich war Luna bald fertig.
Doch gerade in diesem Moment gab es einen lauten Knall und eine schwarze Rauchwolke stieg im
hinteren Teil der Höhle auf.