»Autsch!«, rief ich und rieb mir über die schmerzende Stirn. »Diese blöden Biester!« Ich trat
gegen das Eis. Das war keine gute Idee, denn jetzt tat mir der große Zeh auch noch weh. Und dass
sich ›Zeh‹ und ›weh‹ gereimt hatten, machte das Ganze auch nicht besser.
Die Beule auf meiner Stirn würde man morgen sicher sehen. Ich überlegte kurz, ob ich meine Magie
anwenden sollte. Doch dann fiel mir Larissas Warnung ein: Keine Magie bei Verletzungen. Also
beschloss ich, die Natur einfach machen zu lassen.
»Ich glaube, das schaffen wir nicht.« Luna schüttelte leicht den Kopf. »Die Lakos sind einfach
zu schnell.«
Ich setzte mich neben einen umgefallenen Baum am Waldrand, und Lina ließ sich mit einem Seufzer
neben mich fallen. »Dafür der ganze Aufwand? Dass wir jetzt anstehen? Es muss doch irgendeinen
Weg geben!«
»Jetzt beruhig‘ dich doch! Wir finden schon einen Weg. Aber zuerst brauche ich etwas zu
essen!«
Mein Magen bestätigte mich. Ich hatte das letzte Mal ein paar Kekse bei Larissa gegessen. Und
das war schon Stunden her.
Ich dachte an einige Köstlichkeiten und rieb mir die Hände. Die Magieblitze britzelten und schon
war der Baumstamm oben flach wie ein Tisch und zahlreiche Speisen stapelten sich darauf.
Als ich gerade einen Bissen Kuchen hinunterschluckte, bemerkte ich aus dem Augenwinkel eine
Bewegung. Es war ein Lako, der seinen Kopf aus dem Eis steckte.
»Seht mal!«, flüsterte ich. Vorsichtig drehten sie sich zum Wasserfall um und staunten den Lako
an.
»Du kannst gern herkommen und mitessen, wenn du magst«, lud ich ihn ein.
Zuerst zögerte er, aber nachdem er ein weiteres Mal in die Luft geschnuppert hatte, schlich er
durch den Schnee auf uns zu. Nach jedem zweiten Schritt blickte er sich um. Aber kaum hatte er
den Waldrand erreicht, gab es kein Halten mehr. Mit lautem Schmatzen fiel er über unsere
Festtafel her.
Wenige Minuten später rieb sich der Lako zufrieden den Bauch. »So gut hab‘ ich schon lange nicht
mehr gegessen!«, schwärmte er begeistert. »Wisst ihr, bei uns gibt es immer nur diese
langweiligen Kekse. Die stehen mir bis da!« Er deutete sich an den Hals.
»Ähm … ja … Wie heißt du eigentlich?«, fragte ich.
»Simon.«
»Also, Simon, genau wegen dieser Kekse sind wir hier. Meinst du, du kannst uns ein, zwei davon
abgeben?«
»Ja klar, warum nicht?«
Und schon war Simon wieder hinter dem Wasserfall verschwunden. Kurz darauf kam er mit einem
Stapel von fünf Keksen zurück. Bei seiner Größe ragten ihm die Kekse bis über den Kopf.
Langsam, um die Kekse nicht ins Schwanken zu bringen, kam er zu unserem Baumstammtisch und
stellte den Turm ächzend ab.
»Die könnt ihr gleich alle haben. Ich habe ja …« Er rieb sich das kugelrunde Bäuchlein. »… genug
für die nächsten Woche gefuttert!« Er lachte.
»Das freut uns! Leider müssen wir auch schon weiter …«
»Wenn ihr meint. Das können meine Freunde doch haben, oder?« Grinsend deutete er auf die Reste
des Essens.
»Klaro!«, rief ich.
Und schon war Simon wieder verschwunden.
Meine Schwester grinste mich an. »Das müssen wir gleich Larissa erzählen!« Sie packte ihre
Muschel aus. »Larissa, Larissa! Wir haben die Blätter und die Kekse! … Larissa?«
Keine Antwort.