Kapitel 20
-Louisa-

»Autsch!«, rief ich und rieb mir über die schmerzende Stirn. »Diese blöden Biester!« Ich trat gegen das Eis. Das war keine gute Idee, denn jetzt tat mir der große Zeh auch noch weh. Und dass sich ›Zeh‹ und ›weh‹ gereimt hatten, machte das Ganze auch nicht besser.
Die Beule auf meiner Stirn würde man morgen sicher sehen. Ich überlegte kurz, ob ich meine Magie anwenden sollte. Doch dann fiel mir Larissas Warnung ein: Keine Magie bei Verletzungen. Also beschloss ich, die Natur einfach machen zu lassen.

»Ich glaube, das schaffen wir nicht.« Luna schüttelte leicht den Kopf. »Die Lakos sind einfach zu schnell.«
Ich setzte mich neben einen umgefallenen Baum am Waldrand, und Lina ließ sich mit einem Seufzer neben mich fallen. »Dafür der ganze Aufwand? Dass wir jetzt anstehen? Es muss doch irgendeinen Weg geben!«
»Jetzt beruhig‘ dich doch! Wir finden schon einen Weg. Aber zuerst brauche ich etwas zu essen!«
Mein Magen bestätigte mich. Ich hatte das letzte Mal ein paar Kekse bei Larissa gegessen. Und das war schon Stunden her.
Ich dachte an einige Köstlichkeiten und rieb mir die Hände. Die Magieblitze britzelten und schon war der Baumstamm oben flach wie ein Tisch und zahlreiche Speisen stapelten sich darauf.
Als ich gerade einen Bissen Kuchen hinunterschluckte, bemerkte ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Es war ein Lako, der seinen Kopf aus dem Eis steckte.

»Seht mal!«, flüsterte ich. Vorsichtig drehten sie sich zum Wasserfall um und staunten den Lako an.
»Du kannst gern herkommen und mitessen, wenn du magst«, lud ich ihn ein.
Zuerst zögerte er, aber nachdem er ein weiteres Mal in die Luft geschnuppert hatte, schlich er durch den Schnee auf uns zu. Nach jedem zweiten Schritt blickte er sich um. Aber kaum hatte er den Waldrand erreicht, gab es kein Halten mehr. Mit lautem Schmatzen fiel er über unsere Festtafel her.

Wenige Minuten später rieb sich der Lako zufrieden den Bauch. »So gut hab‘ ich schon lange nicht mehr gegessen!«, schwärmte er begeistert. »Wisst ihr, bei uns gibt es immer nur diese langweiligen Kekse. Die stehen mir bis da!« Er deutete sich an den Hals.
»Ähm … ja … Wie heißt du eigentlich?«, fragte ich.
»Simon.«
»Also, Simon, genau wegen dieser Kekse sind wir hier. Meinst du, du kannst uns ein, zwei davon abgeben?«
»Ja klar, warum nicht?«
Und schon war Simon wieder hinter dem Wasserfall verschwunden. Kurz darauf kam er mit einem Stapel von fünf Keksen zurück. Bei seiner Größe ragten ihm die Kekse bis über den Kopf.
Langsam, um die Kekse nicht ins Schwanken zu bringen, kam er zu unserem Baumstammtisch und stellte den Turm ächzend ab.
»Die könnt ihr gleich alle haben. Ich habe ja …« Er rieb sich das kugelrunde Bäuchlein. »… genug für die nächsten Woche gefuttert!« Er lachte.
»Das freut uns! Leider müssen wir auch schon weiter …«
»Wenn ihr meint. Das können meine Freunde doch haben, oder?« Grinsend deutete er auf die Reste des Essens.
»Klaro!«, rief ich.
Und schon war Simon wieder verschwunden.

Meine Schwester grinste mich an. »Das müssen wir gleich Larissa erzählen!« Sie packte ihre Muschel aus. »Larissa, Larissa! Wir haben die Blätter und die Kekse! … Larissa?«
Keine Antwort.