Kapitel 2
-Louisa-

»Wir wurden ins Winterland eingeladen? Echt?«, rief ich erstaunt.
»Ja«, bestätigte meine Schwester.
»Lies mal vor!« Gespannt wartete ich, bis Lina den Brief aus dem Umschlag fischte.
»Liebe Louisa, liebe Lina! Euer ›überhaupt nicht spannender‹ Ausflug ins Winterland ist jetzt schon eine Weile her. Deshalb möchte ich euch mit diesem Brief herzlich einladen, ein paar Tage hier im Winterland im Palast zu verbringen.
Dafür habe ich einen Portalspruch entdeckt, der euch von jedem Ort hierherbringt. Er lautet: ›Durchtrenn‘ erneut das Weltenband, bring uns in das Winterland!‹
Für eure Eltern habe ich mir auch was ausgedacht: Für sie übernachtet ihr bei einer Freundin, also bei mir. Wenn sie die Telephonnummer anrufen, die ihr unten findet, hebt eine unserer Elfen ab und gibt sich als meine Mama aus.
Und ich habe schon ein paar Aktivitäten geplant …
Ich freu mich auf euch! Bis Bald!
Eure Larissa.«

»Das ist ja toll!«, freute ich mich. Wir hatten Larissa seit Dezember nicht mehr gesehen. Und jetzt war schon Anfang Februar …
»Jetzt müssen wir das nur noch unseren Eltern beibringen …«, sagte Lina mit einem Lachen. »Am besten, wir fragen heute nach dem Abendessen, oder?«
»Okay«, stimmte ich ihr zu.

Gleich nachdem wir fertiggegessen hatten, fragte ich: »Mama, Papa? Erinnert ihr euch noch an Larissa, unsere Freundin aus dem Wintercamp?«
»Ja natürlich! Was ist mit ihr?«, brummte Papa.
»Sie hat uns gefragt, ob wir ein paar Tage bei ihr übernachten wollen. Seit heute sind sowieso Semesterferien und wir haben sonst nichts vor. Dürfen wir?«
Bevor Mama antworten konnte, redete Lina schon weiter: »Schau, hier ist die Telephonnummer ihrer Mama!«
»Na gut«, antwortete sie überrumpelt. »Ich werde gleich anrufen.«
Kaum hatte das Telephon zwei Mal geklingelt, konnte man eine freundliche Frauenstimme hören.
»Magie«, flüsterte mir Lina ins Ohr. Sie hatte nämlich ein Gespür dafür, wenn irgendwo Magie im Spiel war.
Leider ging Mama aus der Küche, um in Ruhe reden zu können, und bedeutete uns, derweil den Tisch abzuräumen. Deshalb konnten wir nicht hören, wie das Gespräch verlief.
Papa beruhigte mich: »Das wird sicher klappen. Das habe ich schon an Mamas Gesicht erkannt …«
Tatsächlich, als Mama kurze Zeit später wieder in die Küche kam, hatte sie ein leichtes Lächeln auf den Lippen: »Larissas Mutter ist wirklich nett. Ja, ihr dürft bei ihr übernachten. Wir haben ausgeredet, dass ihr bis Freitag bleiben dürft.«
»Yeah!«, rief ich und klatschte mit Lina ein.

Am nächsten Tag gegen Mittag waren wir fertig und standen mit gepackten Taschen im Gang. Selbstverständlich konnten wir uns nicht einfach aus unseren Zimmern wegteleportieren, sondern mussten uns etwas einfallen lassen. Deshalb erzählten wir, dass uns Larissa und ihre Mama in der Stadt abholen wollten.
Wir verabschiedeten uns von unseren Eltern und verließen das Haus.
»Bis Freitag!«, rief uns Mama noch hinterher.
Auf dem Weg drehte ich mich zu Lina um. »Sollen wir wieder in diesen Kellerraum, um von dort aus ins Winterland zu kommen?«, fragte ich sie.
»Ich glaube, das wäre keine gute Idee. Es könnte uns jemand sehen. Larissa hat doch geschrieben, dass wir den neuen Portalspruch überall aufsagen können. Lass uns also eine einsame Gasse suchen, in der uns keiner beobachtet«, schlug sie vor.
Kaum hatten wir einen schmalen Weg zwischen zwei Häusern gefunden, stellte ich die Tasche ab. »Puh«, schnaufte ich. »Dabei müssten wir das alles gar nicht mitnehmen.« Denn um unsere Eltern nicht misstrauisch zu machen, mussten wir genug Gewand für unsere Übernachtung einpacken. Das bekämen wir aber auch bei Larissa im Palast – oder wir zauberten es uns einfach.
»Wir werden schon ein Plätzchen dafür finden«, meinte Lina. »Jetzt aber nichts wie los! Wir sagen den Spruch zusammen.«
Lina packte den Zettel aus und wir lasen vor:

»Durchtrenn‘ erneut das Weltenband, bring uns in das Winterland!«

Als sich die Luft um uns herum zu drehen begann, schnappte ich mir schnell Linas Hand. Schon wurde alles weiß.
Nur wenige Sekunden später standen wir in einem prunkvollen Raum, der wahrscheinlich ein Teil des Palastes war. Eine breite Flügeltür öffnete sich. Larissa trat ein.
Aber was war das? Sie ging auf zwei Krücken gestützt und hatte ihr Bein in einen dicken Gips verpackt.