»Euer letztes Stündlein hat geschlagen!«, rief der Dunkle Magier und lachte über seinen eigenen
Wortwitz. »Spaß beiseite! Jetzt wird es ernst!« Drohend baute er sich vor uns auf. Mein Vater
blickte mich wehmütig an: »Es war keine leichte Entscheidung, gegen dich zu sein, aber es ist
notwendig…« »Wieso?«, brachte ich stockend heraus.
»Das werde ich euch erklären: Ihr habt mir vorhin alle Kräfte geraubt – und das hat mich
beeindruckt. Aber ich hatte schon zu lange auf diesen Tag hingearbeitet. Und in dieser Zeit
einen beachtlichen Vorrat an Magie zurechtgelegt.«
»Magie kann man mit gewissen Methoden in Gegenständen speichern«, flüsterte Crystal leise.
Mein Vater hatte seine Rede noch nicht beendet: »Mit dieser Menge an Magie bin ich sicher zehn
Mal so stark wie ihr alle drei zusammen bei dem Kampf vorhin. Und jetzt werde ich diesen Palast
in Schutt und Asche legen!«
Ich blickte ihn an. Jetzt, mit seinem dunklen Mantel wirkte mein Vater fast majestätisch, aber
eher auf eine angsteinflößende Art und Weise.
Er lachte sein schauriges Lachen und begann erneut, eine schwarze Kugel zu weben.
»Ich habe eine Idee!«, flüsterte Alva so leise wie nur möglich. »Louisa, deine Uhr ist eines der
mächtigsten magischen Instrumente hier, da sie eigentlich dem Weihnachtsmann gehört. Damit kann
er die Zeit anhalten, um in Ruhe alle Geschenke zu verteilen. Mit ihrer Hilfe haben wir
vielleicht eine Chance gegen ihn. Wir lassen die Zeit normal weiterlaufen, um den Weihnachtsmann
aufzuwecken.« Sie deutete zu ihm, er schwebte immer noch in der Luft.
Die blaue Aura hatte jetzt wieder Oberhand gewonnen, weil mein Vater auf das Weben der
explosiven Kugel fokussiert war.
»Zusammen können wir den Dunklen Magier aus Winterland verbannen!«, dachte Crystal weiter.
»Aber wie soll das gehen, ohne Magie?«, wandte ich ein. »Das klappt schon!«, meinte Crystal, »jede von euch hat schon wieder einen Teil der Magie. Und ich habe hier noch eine kleine Notfallmenge…« Damit zog sie ein kleines verkorktes Fläschchen aus ihrer Hosentasche.
Louisa schraubte ein wenig an der goldenen Uhr herum, und schon nach kurzer Zeit fand sie die
richtige Einstellung.
Sie drückte auf einen Knopf an der Seite, aber nichts tat sich. Bis: Auf einmal erklang ein
tiefes Brummen, das anschwoll, und höher wurde. Schlussendlich nahm es den Ton der Glocke an.
---ONG!
Die blaue Aura verjagte die Grüne vollends und der Weihnachtsmann wurde sanft auf seinem Thron
abgesetzt.
»Was? Wie?!?«, zeterte mein Vater, seine Blicke zuckten zwischen uns und dem Thron hin und
her.
»Schnell, legt eure Hände auf die Uhr!«, eilte Alva.
Crystal entkorkte das Fläschchen und reichte es herum. Nacheinander nahmen wir jede einen
kleinen Schluck. Sofort fühlte ich mich wieder fit, mein Körper kribbelte nur so vor Magie.
Als alle die Hände auf der Uhr hatten, rief Crystal: »Sprecht mir nach!«, und sagte einen
Zauberspruch vor. Im Chor wiederholten wir ihn. Das Kribbeln verstärkte sich.
Ich schloss die Augen. Wir waren alle Eins und zusammen konnten wir es schaffen!
Ein Schmerzensschrei ertönte. Ich öffnete meine Augen und sah, wie sich ein Loch unter meinem
Vater auftat. Wir hatten es geschafft. Seine Kugel konnte nichts mehr anrichten. Oder?
Mit einem letzten Schrei meines Vaters zerstob die Kugel in hunderte winzige Bälle, die auf uns
zurasten.
Es waren zu viele, es gab kein Entkommen. Nacheinander wurden wir getroffen.
Ein stechender Schmerz durchzuckte mich und ich fiel in Ohnmacht.