Zu dritt eilten wir durch den Wald und folgten dem Pfad, den Larissas Kompass vorgab. Ich wurde
aus diesem Ding immer noch nicht schlau. Allerdings konnten die anderen die Uhr nicht verstehen.
Alle paar Minuten guckte ich darauf, um zu sehen, wie viel Zeit uns noch blieb: »Noch eine
Dreiviertelstunde!«
»Das schaffen wir nie, schon gar nicht ohne Magie!«, murrte Lina. »Mein Armband ist immer noch
schwarz, genau wie Larissas!« »Das kommt wahrscheinlich von unserer gemeinsamen enormen
Magiewelle«, mutmaßte Larissa.
Und mein Armband war zwar an, aber meine Magie war noch kaum wieder aufgeladen. Wie sollten wir
so nur zum Palast kommen?
Nachdem wir an einer Quelle, die nicht zugefroren war, kurz gerastet und etwas getrunken hatten,
marschierten wir zügig weiter. »Wir haben nur noch eine halbe Stunde!«, las ich von der Uhr ab.
»In der Zeit schaffen wir es nicht…«, murmelte Larissa. Und sie musste es wissen, sie kannte
diese Gegend ja.
Und als wäre das noch nicht genug, begann die Taschenlampe, die wir aus Larissas Haus
mitgenommen hatten, zu flackern und ging schließlich ganz aus. Jetzt hatten wir nur noch den
fahlen Mondschein, der hier und da zwischen den Baumstämmen durchschien.
Ich fröstelte, denn um diese Uhrzeit war es im Winter selbst mit warmer Kleidung kalt.
Schweigend stapften wir weiter, der Schnee wurde immer tiefer.
Plötzlich raschelte es neben uns und ein Wolf trat aus dem Dickicht. »Hallo! Braucht ihr
Hilfe?«, fragte er. Es war der Leitwolf. In aller Eile erzählte ich ihm, wann wir im Palast sein
mussten. »Da habe ich eine Idee…«
Damit stieß er ein durchdringendes Heulen aus, das weithin zu hören war. Kurze Zeit später
hörten wir ein Schnauben und drei Rentiere traten aus dem Wald.
»Bitte aufsteigen, ich habe ihnen gesagt, wo es langgeht. Viel Glück!«, verabschiedete sich der
Wolf und verschwand wieder zwischen den schneebedeckten Bäumen. »Juhuuu! Wir werden zum Palast
reiten!«
Vorsichtig stieg ich auf den Rücken eines Tieres. Sein Fell war angenehm und kuschelweich.
Sobald auch Larissa und Lina Platz genommen hatten, trabten die Rentiere los. Immer schneller
und schneller flitzten sie zwischen den Bäumen hindurch. Und dann…
HOBEN WIR AB!
»Wir fliiiiiiieeeegen!«, jauchzte ich. Immer höher stiegen wir in die Luft. Staunend bewunderte
ich die Winterlandschaft, die sich unter uns ausbreitete und bis zum Horizont erstreckte.
»Schaut mal!«, rief Larissa. »Die Teufelshöhle!« »Und da ist die heiße Schlucht!«, erkannte
Lina. »Seht mal nach oben!«, rief ich. Ich hatte nämlich das ›Schloss aus dem Eise‹ entdeckt,
das weit über uns am Himmel schwebte.
Nach einem Blick auf die Uhr rief ich: »Bei dieser Geschwindigkeit schaffen wir es tatsächlich
noch zum Palast!«
Zu meinem Schrecken begannen die Rentiere, rasend schnell zu sinken. Die Baumspitzen und der
harte Schneeboden kamen rasant immer näher.
»Ich glaube, wir stürzen aaaaaaaa---«